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Schifffahrtskaufmann/-frau


Schifffahrtskaufmann/-frau, Ausbildung (Bild: © Gary Blakeley, fotolia)Bildungsweg:
Duale Berufsausbildung
Ausbildungsdauer:
3 Jahre
Empfohlener Schulabschluss:
Realschule, Höhere Handelsschule oder (Fach-)Abitur

 

Sie fahren nicht zur See, aber ihr berufliches Zuhause sind die sieben Weltmeere. Sie sind die Spezialisten für Seefracht und haben einen der interessantesten kaufmännischen Berufe überhaupt: die Schifffahrtskaufleute. Der Beruf ist nicht nur international, sondern auch extrem vielseitig und anspruchsvoll. Schifffahrtskaufleute steuern von Bremen aus die weltweiten Warenströme auf tausenden von Handelsschiffen. Sie managen den Schiffstransport für ihre Kunden, reservieren Frachtraum für Container und organisieren Liegeplätze für die Schiffe. Auch kümmern sie sich um den so genannten Vor- und Nachlauf. Damit ist die Anlieferung und der Weitertransport der Fracht zum und vom Hafen gemeint. Schifffahrtskaufleute stehen in weltweitem Kontakt mit Kunden und haben einen kurzen Draht zum Bordpersonal und anderen Dienstleistern der Seeverkehrs- und Hafenwirtschaft. Die Ausbildung ist in zwei Fachrichtungen möglich: in der Linienfahrt und der Trampfahrt. In der Linienfahrt wickeln die Schifffahrtskaufleute den Frachtverkehr auf festgelegten Schifffahrtsverbindungen, dem Fahrplan, ab. Trampschiffe dagegen verkehren wie Taxis, ohne Fahrplan. Arbeitgeber von Schifffahrtskaufleuten sind Reedereien, Schiffsmakler und Linienagenten sowie alle Firmen, die Schiffe für den Gütertransport nutzen wie z.B. Industrieunternehmen.

Die Aufgaben im Überblick

Schifffahrtskaufleute…

  • beraten und betreuen weltweit Kunden, die Fracht per Schiff transportieren möchten,
  • kennen die Routen, auf denen die Schiffe weltweit unterwegs sind, sind informiert über die Leistungsfähigkeit der internationalen Seehäfen und halten die Frachtmärkte stets im Blick,
  • vertreten in- und ausländische Linienreedereien, vermarkten deren Transportleistung und betreuen deren Schiffe
  • führen gemeinsam mit Reeder, Schiffsleitung und Schiffsmakler die Abfertigung der Schiffe und Ladungen durch (Klarierung),
  • bestellen z.B. Liegeplätze, melden ankommende Schiffe an und überwachen die Lade- und Löschvorgänge (löschen = entladen eines Schiffes),
  • entwickeln marktgerechte Transportlösungen für ihre Kunden, berechnen und kalkulieren Frachtraten und fertigen Frachtverträge an,
  • planen den Einsatz von Schiffen, stellen eine kompetente und zuverlässige Mannschaft zusammen – oftmals besetzt mit Seeleuten aus aller Herren Länder – und versorgen Schiffe mit Treibstoff, Proviant oder sonstigem Schiffsbedarf,
  • bearbeiten schiffs- und ladungsbezogene Dokumente in englischer Sprache,
  • bearbeiten Schadensmeldungen an Schiff oder Ladung und wickeln den Schadensfall mit der Versicherung ab,
  • prüfen z.B. eingehende Rechnungen und veranlassen Zahlungen und erstellen die Hafenkostenabrechnung.

Was ist wichtig?

Du solltest über folgende Fähigkeiten, Kenntnisse und Fertigkeiten verfügen, um den Beruf lernen und ausüben zu können. Hier die wichtigsten:

  • Organisationsgeschick, denn bevor ein Schiff in den Hafen einlaufen und wieder in See stechen kann, sind unzählige Dinge zu erledigen, außerdem müssen volle und leere Container im Inland per Lkw, Bahn oder Binnenschiff als logistische Dienstleistung bewegt werden
  • Kommunikationsstärke, weil Du in ständigem Kontakt mit Kunden, Agenten-Kollegen und Reedern im In- und Ausland stehst, sie in allen Fragen rund um den Schiffstransport kompetent berätst und Verhandlungen über Aufträge führst
  • Sehr gute Englischkenntnisse, denn Englisch ist in der internationalen Seefahrt die Sprache, die jeder beherrschen muss
  • Kaufmännisches Rechnen und Wirtschaftsinteresse, denn Du musst viel kalkulieren und Geschäftsvorfälle sauber abwickeln

Qualifikationen vor der Ausbildung

Einjährige Höhere Handelsschule/Doppelqualifizierend (EHH-DQ)

Wenn Du einen mittleren Bildungsabschluss hast und eine Ausbildung als Schifffahrtskaufmann/-frau anstrebst und gleichzeitig die Fachhochschulreife erwerben möchtest, dann kannst Du vor Ausbildungsbeginn die doppeltqualifizierende Einjährige Höhere Handelsschule besuchen. Die macht Dich fit für den Beruf. Der Besuch der EHH-DQ ist gekoppelt an einen Vorvertrag mit einem Ausbildungsbetrieb. Schließt Du die Schule erfolgreich ab, kann es losgehen mit der betrieblichen Ausbildung. Nach Ausbildungsabschluss erhältst Du als Sahnehäubchen auch noch die Fachhochschulreife. Wie dieses attraktive Modell im Detail funktioniert, erfährst Du hier.

Zusatzqualifikationen während der Ausbildung

Fachliche Kompetenzen: Schifffahrtskaufleute werden während ihrer Ausbildung neben dem Berufsschulunterricht weiter fortgebildet. Erweitertes Wissen wird vor allem über die nationalen und internationalen Schifffahrtsvorschriften vermittelt z.B. im Gefahrgutrecht. Darüber hinaus gibt es die Möglichkeit, Kenntnisse im Bereich Versicherung und Haftung oder im Zollrecht zu erlangen. Die Möglichkeiten sind hier sehr vielfältig. In manchen Ausbildungsbetrieben erhalten Azubis auch die Möglichkeit, einmal auf einem Container- oder Tankschiff mitzufahren, um Einblicke in die praktische Arbeit an Bord zu erhalten.

Übergreifende Kompetenzen: Der richtige Umgang am Telefon oder das Führen eines Verkaufsgesprächs wie auch das Vortragen einer Präsentation sind Kenntnisse, die Schifffahrtskaufleute im Berufsalltag benötigen. Im Rahmen der Ausbildung werden diese übergreifenden Kompetenzen in zusätzlichen Seminaren oftmals geschult und trainiert.

Duales Studium: Wer neben der beruflichen Praxis auch studieren möchte, für den ist ein Duales Studium genau richtig. Ein für Schifffahrtskaufleute zugeschnittenes duales Studienangebot bietet das Bremer Institut für Handel und Verkehr e.V. (BIHV) an. Weitere Informationen zu dieser kombinierten Ausbildung findest Du hier.

Ausbildungsorte

Den fachlichen Teil der Ausbildung wirst Du bei Reedereien und Schiffsmaklern absolvieren. Während der gesamten Ausbildung ist der Besuch der Berufsschule Pflicht.

Was verdiene ich in der Ausbildung?

Als Auszubildender erhältst Du während der Berufsausbildung eine monatliche Ausbildungsvergütung. Die Ausbildungsvergütung wird entsprechend der erworbenen Kenntnisse und Qualifikationen jährlich angehoben. Die Höhe der Ausbildungsvergütung kann – wenn sie nicht tariflich geregelt ist – je nach Unternehmen abweichen. Durchschnittlich betrug diese im Jahr 2012 im

  1. Ausbildungsjahr: 630 Euro
  2. Ausbildungsjahr: 730 Euro
  3. Ausbildungsjahr: 830 Euro

Quelle: Bundesinstitut für Berufsbildung, Tarifliche Ausbildungsvergütungen 2012 in Euro (Stand: 01.10.2012)

Deine Karrierechancen nach der Ausbildung

Als Schifffahrtskaufmann/-frau hast Du nach der Ausbildung verschiedene Möglichkeiten, Deine Karriere zu entwickeln. Hier sind einige Beispiele:

  • Innerbetrieblicher Aufstieg bis hin zur Übernahme einer Führungsposition
  • Auslandsaufenthalte mit praktischer Tätigkeit in dem Berufsfeld
  • Aufstiegsweiterbildung zum/zur Geprüfte/n Verkehrsfachwirt/-in (IHK)
  • Berufsbegleitende Weiterbildung zum/zur Betriebswirt/-in in der Logistik
  • Studium an einer Bremischen Hochschule oder Universität im Bereich Betriebswirtschaft, Seeverkehrswirtschaft, Transport und Logistik

Fazit

Die Berufsaussichten von Schifffahrtskaufleuten sind ausgezeichnet, heißt es in der Branche. Denn der Welthandel wächst weiter. Schulabgänger/-innen sollten sicherstellen, dass sie sich rechtzeitig um einen Ausbildungsplatz kümmern. Schon mit dem Zeugnis der 12. Jahrgangsstufe bewerben und nicht erst nach dem Abi. Auch für Realschüler gibt es gute Chancen in diesen Beruf zu kommen, mit der vorgelagerten Einjährigen Höheren Handelsschule. Wird diese erfolgreich abgeschossen, erhält man bei dem Ausbildungsunternehmen, mit dem man einen Vorvertrag gemacht hat, garantiert einen Ausbildungsplatz.
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